Damit Gleichstellung Realität wird. Interview mit Anna Poeschel

Damit Gleichstellung Realität wird

Interview mit Anna Poeschel, Gründerin der Women*s Society

2023 hast Du die Women*s Society Berlin gegründet. Wer seid ihr?

Women*s Society Berlin e.V. ist eine Plattform für feministische Philanthropie. Mit unseren feministischen Giving Circles bringt sie Menschen zusammen, um gemeinschaftlich für gemeinnützige Organisationen und Projekte zu spenden, die sich für Geschlechtergerechtigkeit und den Abbau struktureller Ungleichheiten einsetzen. Wir verbinden kollektives Geben mit Lernen, Austausch und Community-Building und stärkt so gesellschaftliche Teilhabe, Solidarität und nachhaltigen sozialen Wandel.

Gab es Vorbilder?

Giving Circles sind eine starke Bewegung im angloamerikanischen Raum. Dort gibt es beispielsweise die „100 Women Who Care“ mit einem Ableger in vielen amerikanischen Städten, die gemeinsam für Projekte in ihren Kommunen spenden. 

Auf welchen Missstand verweist der Verein?

Women*s Society Berlin e.V. ist aus der Überzeugung entstanden ist, dass Geschlechtergerechtigkeit eine zentrale Voraussetzung für eine starke und lebendige Demokratie ist. Trotz ihrer gesellschaftlichen Bedeutung sind Organisationen, die sich für Frauen und Mädchen einsetzen, chronisch unterfinanziert. Die Women*s Society wirkt dieser Finanzierungslücke aktiv entgegen.

Wer soll von der Arbeit profitieren? Nur Frauen und Mädchen?

Wir sind der festen Überzeugung, dass von einer Gleichstellung der Geschlechter alle Menschen profitieren. Auch Männer profitieren massiv von der Überwindung starrer Geschlechterrollen, etwa durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder gesündere Lebensmodelle. Deshalb mobilisieren wir Spenden für diejenigen Organisationen, die an einer geschlechtergerechten Zukunft arbeiten.

Was sind die wesentlichen Impulse, die der Verein geben möchte?

Wir sind überzeugt, dass die Gleichstellung der Geschlechter allen zugutekommt. Deshalb arbeiten wir daran, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Wir wollen Menschen dazu anregen, ihre persönliche Verantwortung für das Funktionieren unseres Gemeinwesens wahrzunehmen, indem sie sich – beispielsweise mit Spenden – für eine demokratische und gerechte Gesellschaft einsetzen. 

Außerdem möchten wir den Blick darauf lenken, dass das globale Nachhaltigkeitsziel Nr. 5, Geschlechtergleichheit – massiv unterfinanziert ist, obwohl wir längst wissen, dass geschlechtergerechte Gesellschaften stabiler sind und paritätisch besetzte Unternehmen die besseren Ergebnisse erzielen. 

Geht es vor allem um Fundraising und die gezielte Förderung von einzelnen Projekten, geht es ums Netzwerken?

Natürlich profitieren einzelne Projekte und Organisationen von den Spenden, die sie erhalten. Vor allem für Grass-Root-Organisationen können wir einen echten Unterschied machen. Aber unser Ziel ist es auch, gleichstellungsbezogenen Themen eine Plattform zu geben und die Teilnehmer*innen unserer Giving-Circle-Events miteinander in Kontakt zu bringen. 

Was ist ein Giving Circle und welche Chancen liegen in dem Format?

Geld zusammenzulegen, um gemeinsam Probleme zu lösen,ist kein neues Phänomen, sondern in traditionellen Kulturen Afrikas oder Asiens weit verbreitet. Leider sind Giving Circles als Format in Deutschland aber noch wenig bekannt. Als ich durch XY von der Idee erfahren habe, war ich sofort überzeugt. Denn Giving Circles haben gegenüber dem traditionellen Spenden mehrere Vorteile: Wir legen unsere Spenden zusammen und können dadurch viel größere Summen und viel mehr Wirkung erzielen. Wir lernen mit und voneinander, indem wir uns mit den Gleichstellungsthemen auch inhaltlich beschäftigen, bevor wir spenden. Wir schaffen echten, menschlichen Kontakt, zwischen den Gebenden, aber auch zwischen „Macher*innen“ und Unterstützer*innen“. So wird Spenden zu einem verbindenden Erlebnis. 

Wenn Du eine Lieblingsvision für den Verein formulieren kannst, wie würde die aussehen?

Mein Wunsch ist, dass es schon in zwei, drei Jahren viele Women*s Societies im ganzen Land gibt: ein Netzwerk von lokalen Gruppen, die sich für Frauen* und Mädchen in ihren Kommunen stark machen. So wollen wir einen Beitrag leisten, damit echte Gleichstellung nicht erst in ferner Zukunft Realität wird. 

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